Höchst kundenunfreundlich nennen die Vorsitzenden der CDU-Fraktionen in den Gemeinderäten von Maulbronn und Mühlacker, Hans-Peter Lehner und Günter Bächle, letzterer auch als Sprecher der christdemokratischen Mitglieder des Kreistages, die weitere Schließung der Außenstelle Mühlacker der Kraftfahrzeug-Zulassungsbehörde des Enzkreis wegen Corona

Mühlacker/Enzkreis. . Sie fordern vom Landrat eine umgehende Wiedereröffnung und verweisen auf das gute Beispiel des Landkreises Karlsruhe. „Der Landkreis Karlsruhe arbeitet mit derselben Corona-Verordnung im selben Bundesland Baden-Württemberg mit vier geöffneten Zulassungsstellen in Karlsruhe, Bruchsal, Bretten und Ettlingen. Also wird’s vermutlich an der Verordnung nicht liegen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Seit 11. März sei die Kfz-Zulassungsstelle des Landratsamtes Enzkreis in Mühlacker im Zuge der Covid-19-Pandemie geschlossen. Für Händler und Zulassungsdienst seien nach und nach Lösungen in Pforzheim geschaffen worden, die zwei Anfahrten für Anlieferung und Abholung erforderlich machen würden für den Autohändler aus Heimsheim genauso wie für den aus Sternenfels oder Knittlingen, so die CDU-Kommunalpolitiker. Sie beklagen: „Diese Regelungen gelten aber nicht für den normalen Enzkreisbürger. Dieser hat nur eine Chance auf einen Online – Termin, wenn er nachts um 00:00 Uhr den PC anschaltet und wartet bis von Amtswegen wenige Termine in einer Entfernung von vier bis sechs Wochen, also Ende Juli freigeschaltet werden.“
Trotz regelmäßigen Anfragen aus der Kommunalpolitik und dem Kreistag sei der Zustand bis zum heutigen Tag unverändert – und dies zu einem Zeitpunkt, an dem zehn Menschen unterschiedlichster Haushalte an einem Tisch essen könnten, Fahrten durch Europa frei möglich seien und Menschen versuchten, in den Alltag zurückzukehren, so Lehner.
Viele Autohändler, Gastwirte, Reisebürobetreiber blickten verängstigt und sehr kritisch in die Zukunft. Sie bemühten sich aber in ihren Autohäusern, Reisebüros und hinter ihrem Tresen und trügen Verantwortung für sich, ihre Mitarbeiter und Familien, sowie für gesellschaftliche Werte. Durchgängig seien Mediziner, Apotheker seit März hier pflichtbewusst ihr Frau und ihren Mann gestanden. „Ja die Kassiererin im Supermarkt wurde bestmöglich geschützt und erledigte ihren Job, egal ob Toilettenpapier im Regal war oder nicht“, unterstreichen die CDU-Kommunalpolitiker. Nur für den Landkreis gelte dies offenbar nicht.
Neben den unverschuldeten Kurzarbeitern hätten sie allerdings so langsam das Gefühl, dass nicht alle Mitmenschen die Ernsthaftigkeit dieser Lage erkennen. Zur Bewältigung einer derartigen Krise seien alle gut beraten, gemäß der schwäbischen Tugend, allesamt etwas zu „schaffen“. Ständig sei zu hören, dass sich der öffentliche Dienst über den respektlosen Umgang mit seiner Berufsgruppe beschwere. Respekt müsse man sich erarbeiten, mit geschlossenen Dienststellen und völlig mutlosem Handeln werde sicherlich mehr Unmut als Respekt entstehen, betonte der Maulbronner Fraktionschef. Respekt, Dank und Anerkennung gelte denjenigen, die hier Standfestigkeit in diesen stürmischen Zeiten bewiesen hätten. Es sei an der Zeit, dass die Politik und der öffentliche Dienst beim Landkreis aus der Komfortzone in die Arbeitswelt zurückkehre.
Fraktionsvorsitzender Günter Bächle sagte, Landrat Bastian Rosenau habe ihm Ende Mai auf die Anfrage der CDU-Kreistagsfraktion mitgeteilt, da nach wie vor ein sehr hoher Kundenandrang bestehe, habe sich die Kreisverwaltung entschlossen, sofort Stufe 1 umzusetzen und den Schichtbetrieb auch auf die Gefahr eines Komplettausfalles hin aufzugeben, nicht aber die weiteren zwei Stufen. Stufe 2 sei Öffnung der Dienststelle in Mühlacker und Bearbeitung nach Terminvereinbarung, Stufe 3 die Aufgabe des Terminzwangs und reguläre Öffnung beider Dienststellen. Stufe 2 käme dann gegebenenfalls in naher Zukunft in Frage, sollte die Entspannung bei den Infektionszahlen bestehen bleiben. „Dies beobachten wir noch, da nicht sicher ist, ob es in nächster Zeit zu einer zweiten Welle kommt“, so der Landrat vor zwei Wochen. Bächle forderte ihn am Mittwoch auf, wenigstens auch die Stufe 2 umgehend umzusetzen. Bei den täglich vom Land ausgehenden Lockerungen sei ein stures Festhalten am bisherigen Kurs niemand mehr zu vermitteln.

Fotos:
Kfz-Zulassungsstelle des Landratsamtes Enzkreis in Mühlacker

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