Umfassende Information des Kreistags gefordert

Mühlacker. Nach Informationen der CDU-Fraktion im Kreistag ordnete das Regierungspräsidium Karlsruhe die Schließung des Technischen Gymnasiums an der Berufsschule Mühlacker zum nächsten Schuljahr an wegen zu geringer Schülerzahl. „Wir bedauern diese Entwicklung außerordentlich“, so Fraktionsvorsitzender Günter Bächle (Mühlacker). Damit hätten sich die Ankündigungen des Regierungspräsidiums (RP) und des jetzigen Schulleiters Veit Kibele, durch die 2019 erfolgte Fusion der Kaufmännischen und der Gewerblichen Schule werde sich die Lage stabilisieren, in Luft aufgelöst hat.“ Diese Fusion war umstritten.

In einem Brief an Landrat Bastian Rosenau forderte Bächle schriftliche Stellungnahmen von RP und Schulleitung zu den Gründen in der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses des Kreistags am kommenden Montag. Dort stehe nur ein mündlicher Bericht zur aktuellen Lage der Berufsschule Mühlacker auf der Tagesordnung, gänzlich ohne weitere Angaben. Dass eine deutliche Schwächung des Schulstandortes Mühlacker bevorstehe, werde erst durch eigene Recherchen als Kreisrat deutlich. „Vor Jahren gelang es dem damaligen Landtagsabgeordneten Winfried Scheuermann, erstmals berufliche Gymnasien nach Mühlacker zu holen, was eine Stärkung der Kreisberufsschule, aber auch des Schulstandortes Mühlacker brachte. Mit der neuen Entwicklung tritt eine nachhaltige Schwächung ein, für die ein „mündlicher Bericht“ zu wenig ist.“

Nach seinen Informationen und Recherchen ergibt sich, so der CDU-Fraktionsvorsitzende, folgendes Bild:

„1. Das Regierungspräsidium ordnete zum nächsten Schuljahr eine Schließung des TG an wegen nicht ausreichender Schülerzahlen

  1. Bereits im Jahr nach der heftig umstrittenen Fusion der Kaufmännischen und Gewerblichen Berufsschulen Mühlacker brach die zuvor stabile zweite Klasse des Wirtschaftsgymnasiums weg

  2. Im aktuellen Schuljahr fällt eine von bisher immer stabilen drei Klassen des Berufskollegs I weg.“

Offenbar werde die Verantwortung für diese Entwicklung nicht bei der Schulleitung gesucht, sondern nur in externen Ursachen. Zum Beispiel im neuen digitalen Anmeldeverfahren für alle Schulen und Bewerber, das landesweit zentralisiert und damit auch gleich geworden sei. Dabei gelang diese Einführung nach allgemeiner Auffassung gut, könne also keine Ursache sein. Probleme durch den demografischen Wandel? Das sei wohl ein weiteres Argument, das gerne angeführt werde. „Meines Wissens sind die Schülerzahlen in den Pforzheimer Schulen aber nicht so massiv eingebrochen wie in Mühlacker.“ Die technische Ausstattung in Mühlacker gelte als weit überdurchschnittlich. Der Kreistag habe in den vergangenen Jahren Millionen Steuermittel ausgegeben, um den Schulstandort zu stärken.

Jedenfalls erwartet Bächle für die SKA-Sitzung vorherige schriftliche Unterlagen, dabei zumindest eine schriftliche Stellungnahme des zuständigen und verantwortlichen Schulleiters Kibele, die Mitteilung des RP über die Schließung des Technischen Gymnasiums, des Weiteren die Statistik über die Entwicklung der Schülerzahlen an den Beruflichen Gymnasien in Pforzheim, Bretten und Bietigheim-Bissingen. Zudem frage er sich, ob Ursachen nicht auch Schulklima, Frust, der Führungsstil des Schulleiters, das Image der Schule und das soziokulturelle Umfeld seien. Auch dazu gehe er von einer schriftlichen Stellungnahme aus.

Notwendig sei in diesem Zusammenhang eine kritische Bilanz der Zwangsfusion der Kaufmännischen und der Gewerblichen Berufsschule 2019, die vom seinerzeitigen Leiter der Gewerblichen Schule, Kibele, gegen den Widerstand von Lehrern, Schülern und Eltern der Kaufmännischen Berufsschule forciert worden sei. Da sei die Störung des Schulfriedens bewusst in Kauf genommen worden. Das bestehende Angebot an den beruflichen Bildungsgängen könne lediglich bei einer Zusammenlegung auf absehbare Zeit erhalten werden, im Vollzeitbereich gelte dies insbesondere für das gefährdete Technische Gymnasium, zitiert der Kreisrat aus dem seinerzeitigen Schreiben des RP vom 14. November 2017. Genauso argumentierte Kibele, so Bächle, in einer Fraktionsvorsitzenden-Runde am 30. Mai 2017 und zitiert ihn aus der Kreistagsvorlage 41/2017: „Das Technische Gymnasium wird ohne Zusammenlegung in große Existenznot kommen.“

Die Fragen des Faktionsvorsitzenden an den Landrat: „Wer trägt denn nun die Verantwortung, dass die Rechnung nicht aufging? Was unternahm der Schulleiter zur Abwendung der jetzigen Entwicklung? Eine schwierige Schullandschaft mit starker Konkurrenz erfordert auch starke Anstrengungen? Sind diese erfolgt und gegebenenfalls in welcher Form?“

Die CDU-Fraktion fordert eine gründliche Aufarbeitung der Ursachen der eingetretenen Schwächung (außer Spesen nichts gewesen!) sowie darauf aufbauend einen Schulentwicklungsplan für die Berufsschule Mühlacker, der aufzeigt, wie der Standort wieder wettbewerbsfähig gemacht werden kann. Sich mit der Stadt Pforzheim über die Arbeitsteilung zwischen beider Berufsschulen zu streiten, sei zu wenig.

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