CDU-Kreistagsfraktion stellt zwei Beispiele gegenüber: Dem positiven aus dem Nachbarland, dem negativern aus dem Stuttgarter Sozialministerium

Remchingen/Mühlacker. Superman und Impf-Fee können Kindern die Angst vor dem kleinen Piekser nehmen. Von dieser Erfahrung, die Kreisrat Kurt Ebel (Remchingen) mit seinen Enkeln in der Pfalz machte, berichtete der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion im Enzkreis dem Landrat und empfahl Nachahmung. Das würde der Impf-Kampagne bestimmt einen gehörigen Schub verleihen, zeigt sich der Kommunalpolitiker überzeugt. Aber auch die vom Land gesetzten Rahmenbedingungen zu Covid-19-Impfungen müssten stimmen.

In seinem Schreiben an Landrat Bastian Rosenau nennt Kurt Ebel diese Aktion in Wörth ein nachahmenswertes Beispiel in Sachen „Beförderung der Impfkampagne bei Kindern“, das ihn persönlich positiv berührt habe. Seine beiden Enkel Erik (10) und Nico (5), wohnhaft in Königsbach-Stein und Stutensee, seien unabhängig voneinander zur Impfung angemeldet worden. Da im Enzkreis beziehungsweise in der Stadt Pforzheim kurzfristig keine Termine angeboten worden und entsprechende Wartezeiten zu befürchten gewesen seien, machten „meine Töchter von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Jungs zwei Tage vor Heiligabend in Wörth impfen zu lassen“.

Der Termin sei für die beiden Impflinge hochmotivierend – weil altersgerecht vorbereitet gewesen. Kurtz Ebel: „Das gesamte Impf-Team trat in Kostümierung auf: eine Impf-Fee fragte, ob man bei Superman oder beim Eisbären geimpft werden wolle (für meine Enkel wohl nur eine rhetorische Frage: natürlich bei Superman!). Die wackeren Impf-Helden erhielten nach dem Piecks ihre Tapferkeits-Urkunden, was ihr Selbstbewusstsein enorm anschwellen ließ. Erik motiviert seither alle Gleichaltrigen in seinem sozialen Umfeld, sich unbedingt auch impfen zu lassen.“

Die Schlussfolgerung, die Opa Kurt für seine Arbeit als Kreisrat Ebel daraus zog: „Es bräuchte jetzt halt entsprechende Angebote für die (Neu-)Motivierten, deren Erziehungsberechtigte zum Teil auch zu den Skeptikern zählen…“ Seine Bitte an den Landrat, mit Hinweis auf dieses motivierende Beispiel dafür die Werbetrommel zu rühren, ähnliche Aktionen mit Terminvergabe für Kinder im Enzkreis auf die Schiene zu setzen. In diesem Zusammenhang dankte Ebel allen, die – vor allem auch ehrenamtlich – in Pforzheim und dem Enzkreis im ständigen Impf-Einsatz sind.

Doch just jenen habe das baden-württembergische Sozialministerium zeitweise die Arbeit erschwert, beklagte aus der Erfahrung der eigenen Familie der Vorsitzende der CDU-Fraktionen im Kreistag und im Gemeinderat von Mühlacker, Günter Bächle, in derselben Pressemitteilung der Fraktionen. Einen Tag vor Heiligabend habe das Ministerium über die Medien verkündet, die 12- bis 18-Jährigen könnten nun auch zum dritten Mal geimpft werden. Doch bei seiner Tochter, die in fünf Monaten volljährig werde, sei das Booster-Impfen trotzdem erst im dritten Anlauf am Montagnachmittag im Impfstützpunkt von Stadt und Landkreis im Vorraum der Enztalsporthalle in Mühlacker erfolgt. Da sei wenigstens einer der Ärzte des Stützpunktes zum Booster-Impfen bereit gewesen, denn das Ministerium habe zwar werbewirksam am Donnerstag eine Pressemitteilung verschickt, aber offensichtlich vergessen, die nachgeordneten Behörden und Stellen darüber zu informieren, wie eine Auskunft der Ersten Landesbeamtin des Enzkreises, Dr. Hilde Neidhardt, ergeben habe, so die CDU-Fraktion. So hätten in den ersten Stunden des Montags die betreffenden Eltern mit ihren Kindern unverrichteter Weise wieder umkehren müssen.

Der Bund habe am Tag zuvor, so das Landesministerium am 23. Dezember, die Linie Baden-Württembergs zum Boostern von Jugendlichen unter 18 Jahren bestätigt. Nun ermögliche der Bund auch Auffrischimpfungen für Jugendliche. Der Bund habe nun klargestellt, die Haftung für Booster-Impfungen von unter-18-jährigen zu übernehmen. Demnach können von sofort an Jugendliche von 12 Jahren an auch mit staatlicher Rückendeckung in den Impfstützpunkten eine Booster-Impfung erhalten. „Doch von sofort an war in der Praxis im Land nicht die Rede“, so Fraktionschef Bächle.

Nach Informationen des Fraktionsvorsitzenden beklagte in einem internen Rundschreiben Privatdozent Dr. Andreas Ruf, Medizinischer Leiter des auch für den Enzkreis zuständigen Impfteams Karlsruhe, das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration habe mit der Pressemitteilung vom 23. Dezember für viel Verunsicherung und Verwirrung gesorgt und dies auch vor dem Hintergrund, dass das Ministerium noch wenige Tage zuvor offiziell mitgeteilt habe, dass eine Auffrischimpfung in der Regel erst von 18 Jahren an vorgesehen sei. Was immer zu diesem Sinneswandel geführt habe, wissenschaftlich-medizinische Evidenz sei es jedenfalls nicht gewesen, zumindest fänden sich hierfür keinerlei Hinweise, so Ruf, auch Ärztlicher Leiter Abteilung für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie des Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH, in einem Mail vom Montag. Die Staatliche Impfkommission (STIKO) habe ihre Empfehlungen zu jenem Zeitpunkt, an dem das Ministerium seine Pressemitteilung verschickte, über eine COVID-19-Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff noch nicht aktualisiert.

Die dringende Empfehlung der Christdemokraten aus dem Enzkreis an Sozialminister Manfred Lucha: „Umgekehrt muss der Weg sein: Zuerst Klärung der Lage, dann Information der nachgeordneten Stellen, anschließend erst der Gang an die Öffentlichkeit.“ So lasse sich der zurecht bestandene Unmut der betroffenen Personen bei so viel Durcheinander vermeiden. Zusammen mit Positiv-Maßnahmen wie der von Kurt Ebel geschilderten in Wörth, und einem klaren Kurs des Sozialministeriums werde ein positiver Beitrag geleistet, die Impfzahlen weiter zu erhöhen. „Vielleicht müssen Impf-Fee und Superman im Sozialministerium für Klarheit sorgen im Interesse der Menschen draußen im Land.

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