Briefwechsel der Gemeinderats- und Kreistagsfraktion mit der Ersten Landesbeamtin des Enzkreises

Mühlacker-Mühlhausen. Häufig werde er als Stadtrat und Mühlhäuser Bürger angesprochen auf das Bild, das die Bepflanzung des Innenrunds des Kreisverkehrs oberhalb von Mühlhausen biete, sagt Wolfgang Schreiber, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion. Eine Schande sei es, so einen Zustand am Ortseingang eines der schönsten Weinorte im Enzkreis zu dulden. „Jetzt im Winter sieht der Kreisel leider noch schlechter aus, wenn überhaupt nichts grünt.“ Allein der Hinweis, es handle sich um Kreisstraßen, löse das Problem nicht, entlaste höchstens die Stadt. „Der Kreisel macht tatsächlich einen vernachlässigten Eindruck“, räumte Dr. Hilde Neidhardt, Vize-Landrätin beim Enzkreis, auf eine frühere Anfrage von Kreisrat Günter Bächle (CDU, Mühlacker) ein.

Die Position von Stadtrat Schreiber ist klar: „Wenn niemand die Pflege übernehmen will, dann doch lieber eine weniger pflegeintensive, vielleicht saisonal blühende Dauerpflanzung.“ In einer Mitteilung der Gemeinderats- und Kreistagsfraktion der CDU zitieren Bächle und Schreiber aus der ersten Antwort der Dezernentin. Mit der Bepflanzung und Unterhaltung der 2017 fertiggestellten Kreisverkehrsinsel im Kreuzungspunkt der Kreisstraße 4505 und 4506 sei seit November 2018 vom Landkreis ein Landwirt aus Illingen betraut. Schreiber korrigiert: Ein Wengerter, der in Mühlhausen einige Flächen bewirtschafte.

Art und Umfang der Bepflanzung und der Graseinsaat seien damals vertraglich festgelegt und von dem Landwirt auch ordnungsgemäß umgesetzt worden, so Neidhardt. Der Vertrag umfasse auch die Pflege der Weinstöcke und die regelmäßige Mahd (drei- bis fünfmal jährlich) des Unterwuchses. Vor 2022 seien diese Arbeiten auch immer ohne nennenswerte Beanstandungen vorgenommen werden. Anhand der vertraglich geregelten Anzahl der Mäheinsätze lasse sich erkennen, dass unter den Weinstöcken ein gewisser Unterwuchs durchaus eingeräumt werde.

„Wegen des auffälligen Defizits im Jahr 2022 haben wir den Landwirt kontaktiert und die Sachlage intensiv erörtert“, schreibt Neidhardt an den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag. Besonders die langanhaltende Trockenheit des vergangenen Sommers habe dieser recht kleinen und exponierten Fläche ziemlich zugesetzt. Die noch recht jungen Reben hätten trotz Bewässerungseinsätzen des Landwirts teilweise dem Wetter nicht trotzen können. „Daher kam es zu einigen ersichtlichen Ausfällen.“ Der Kreisverkehr sei aufgrund seiner Lage nicht gegen Wind geschützt, trockne daher schneller aus und die jungen Reben hätten in den vier Jahren nicht genug Zeit, um tief zu wurzeln. Auf das Mähen sei in der großen Dürre verzichtet worden, um den Boden vor Winderosion zu schützen und bei den ersten (meist kräftigen) Niederschlägen möglichst viel Feuchtigkeit im Boden zu halten. Neben der Neupflanzung der ausgefallenen Rebstöcke werde auf einem Teilstück der Kreisverkehrsinsel eine mehrjährigen Blühmischung ausgebracht, um mehr Farbe auf die Insel zu bringen.

Der Stadtrat entgegnete in der Antwort auf die Neidhardt-Antwort: „Als Wengerter merke ich an, vierjährige Reben sehen anders aus als die fast zu einem Drittel bereits abgestorbenen verkümmerten Rebstöcke auf dem Kreisel. Gerne zeige ich Ihnen im selben Jahr gepflanzte Reben in meinem Weinberg, mit ähnlichen klimatischen Bedingungen. Es liegt ganz einfach an der Pflege, regelmäßige Bodenbearbeitung und ein wenig Düngung.“ Er zweifle auch die Angaben über die Pflegeinsätze und die Kontrollen an. Leider sei damals die Übernahme durch die Lemberger Land Kellerei als lokale Weingärtnergenossenschaft wegen allerlei Hindernissen – „nachvollziehbaren und teilweise überzogenen - des zuständigen Verkehrsamts des Enzkreises gescheitert.

Den Mail-Wechsel vom Herbst greifen nun die beiden CDU-Kommunalpolitiker nochmals auf und erinnern Hilde Neidhardt an ihre Zusage in einer der Antworten, im neuen Jahr – also 2023 - sich nochmals zu der Thematik austauschen. Aktuell sehe sie keine Notwendigkeit, an der Pflegevereinbarung für die Mittelinsel etwas zu ändern. „Die zugesagten Nachpflanzungen und die Einsaat werden von unserem Straßenbetriebsdienst selbstverständlich überprüft“, so die Erste Landesbeamtin im Herbst.

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